„3 Helden. Stadt. Land. Traum.“

Theater in der Schule – Theater hautnah erleben (Bericht unserer Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b)

Plötzlich mittendrin – „3 Helden: Stadt. Land. Traum.“ bei uns an der Schule

Am 8. September verabredeten wir uns nach der ersten großen Pause mit unserer Klassenlehrerin Frau Mohaupt in der Aula unserer Schule. Wir wussten nur, dass uns eine Überraschung erwartete. Eigentlich freuten wir uns darüber, zwei Stunden Vertretungsunterricht bei unserer Klassenlehrerin zu haben – doch es kam ganz anders.

Als wir die Aula betraten, saß Frau Mohaupt mit einigen uns unbekannten Personen etwas abseits am Rand. Begrüßt wurden wir stattdessen von einer jungen Frau, die sich als neue Referendarin vorstellte. Besonders freundlich war ihr Empfang allerdings nicht. Kaum hatten wir Platz genommen, wollte sie von uns wissen: „Wer war es?“

Wir schauten uns gegenseitig ziemlich ratlos an. Was meinte sie überhaupt? Was sollten wir getan haben? Hilfesuchend blickten wir zu Frau Mohaupt, doch von ihr kam keine Erklärung.

Nach und nach erfuhren wir, worum es angeblich ging: Jemand sollte die rassistische Parole „Ausländer raus“ an eine Säule in der Pausenhalle geschrieben haben. Die Referendarin wollte unbedingt herausfinden, wer dafür verantwortlich war. Die Stimmung wurde immer merkwürdiger, und spätestens als sie anfing, sehr persönlich aus ihrem eigenen Leben zu erzählen, fragten sich einige von uns, was hier eigentlich los war.

Sie erzählte von ihrer Vergangenheit, ihrem Ex-Freund von einer rechtsradikalen Gruppe zusammengeschlagen wurde, der ihr Bruder angehörte. Die rassistische Parole in der Schule brachte bei der Jungen Frau viele dieser Erinnerungen wieder zurück. Es ging plötzlich nicht mehr nur darum, wer etwas an eine Säule geschrieben hatte. Es ging um Vorurteile, Rassismus, rechte Ideologien, Freundschaft und darum, wie schnell Menschen sich beeinflussen lassen können.

Und irgendwann wurde uns klar: Wir waren längst mitten in einem Theaterstück!

Die vermeintliche Referendarin war in Wirklichkeit eine Schauspielerin und wir waren das Publikum von „3 Helden: Stadt. Land. Traum.“. Das Besondere daran war, dass wir nicht einfach vor einer Bühne saßen. Die Aula selbst wurde zur Bühne und wir wurden direkt angesprochen und in die Handlung einbezogen. Dadurch wirkte vieles erstaunlich echt.

Während des Stücks mussten wir uns immer wieder selbst fragen, wie wir in bestimmten Situationen reagieren würden. Würden wir etwas sagen, wenn jemand rassistisch beleidigt wird? Würden wir eingreifen oder lieber wegsehen?

Gerade weil wir am Anfang nicht wussten, dass die Aufführung bereits begonnen hatte, blieb das Stück besonders im Gedächtnis. Aus zwei ganz normalen Vertretungsstunden wurde plötzlich ein Theatererlebnis, mit dem wohl niemand von uns gerechnet hatte.

Am Ende blieb vor allem eine wichtige Botschaft hängen: Man sollte nicht alles einfach hinnehmen, sondern hinschauen, nachfragen und den Mut haben, seine Stimme gegen Ausgrenzung und Rassismus zu erheben.

Für uns war es auf jeden Fall eine ungewöhnliche Überraschung – und wahrscheinlich eine der Vertretungsstunden, an die wir uns noch lange erinnern werden.